Am 6. Juni 1944 sind die Alliierten in der Normandie gelandet. Die Invasion, der D-Day, war der Auftakt zur Befreiung Westeuropas von der deutschen Besatzung. Zehntausende gefallene Soldaten liegen auf den Soldatenfriedhöfen, etwa auf dem Friedhof beim Dorf Colleville-sur-Mer – mit seinen fast 9400 weissen Grabkreuzen und Davidkreuzen.
«Das war eine Immigranten-Armee»
Scott Desjardins ist Vorsteher des US-Soldatenfriedhofs in der Normandie. Dort, wo am 6. Juni 1944 die Alliierten gelandet sind, wacht er heute über fast 9400 gefallene Amerikaner.

Desjardins ist Perfektionist. Das gehört zum Job. «Der Rasen hier muss genau 32 Millimeter hoch sein – nicht mehr und nicht weniger», erklärt er. «Alles hier hat Symbolik», sagt der energiegeladene 60-Jährige und deutet auf eine Reihe von Bäumen: «Sogar wie diese Bäume getrimmt werden, ist vorgeschrieben. Innen sind sie auch geschnitten, fast hohl. Sie symbolisieren Fallschirme.»
Der Friedhof in Colleville-sur-Mer thront über «Omaha Beach», der Landungsstrand, an dem die US-Truppen am 6. Juni 1944 schreckliche Verluste hatten. Der Film «Der Soldat James Ryan» hat den Strand weltberühmt gemacht – sowie auch den eindrücklichen Friedhof mit seinen weissen Grabkreuzen und Davidsternen.


Gewaltige Bombentrichter, wie hier bei Pointe du Hoc, lassen erahnen, was auch die deutschen Besatzungssoldaten erleiden mussten.
«Pearl Harbor, New York wegen dem 11. September und Omaha Beach: Kein anderer Ort hat eine so grosse Bedeutung für die Amerikaner wie diese drei». Desjardins deutet auf ein Monument und erklärt: «‹Das Portal der Freiheit›, steht dort geschrieben. Hier hat die Befreiung Westeuropas begonnen. Darum ist Omaha Beach für die Amerikaner so wichtig.»

Auf den Soldatenfriedhöfen der Alliierten und der Deutschen wird deutlich, wie viel der Sieg über Hitlerdeutschland gekostet hat. Die Kämpfe in der Normandie waren brutal, auch zehntausende französische Zivilisten verloren ihr Leben. Allein auf dem US-Friedhof liegen fast 9400 Soldaten begraben, im Schnitt waren sie nur gut 23 Jahre alt, als sie fernab der Heimat ihr Leben verloren.
SRF Zeitblende
D-Day: «Der Brückenkopf der Demokratie»


Das Freilichtmuseum des Krieges
An den Stränden der Normandie sind am 6. Juni 1944, die Alliierten gelandet und haben die Befreiung Westeuropas eingeläutet. Dort, wo einst Tausende starben, parkieren heute die Touristenbusse. Die Region ist um einen würdevollen Erinnerungs-Tourismus bemüht. Doch er hat auch fragwürdige Formen.

Yannick Sterke zeigt auf Bunker und Geschützstellungen und erzählt die Geschichte von den Soldaten aus Bedford im US-Bundesstaat Virginia: 22 von ihnen sind bei den Kämpfen in der Normandie umgekommen. Es ist eine Geschichte für ein amerikanisches Publikum.
Er schätze, dass etwa 95 Prozent seiner Gäste Amerikaner sind, sagt Sterke, der Gruppen zu den Sehenswürdigkeiten des D-Day führt. «Die meisten sind 60 oder älter und haben einen Vater, einen Grossvater oder einen Onkel, der im Zweiten Weltkrieg diente. Für viele ist die Tour deshalb sehr speziell, sehr emotional.»
Und tatsächlich erzählt ein älterer Mann aus Sterkes Gruppe, er stamme aus Minneapolis und reise mit seinem besten Freund, einem Vietnam-Veteranen, auf jener Route durch Frankreich, die sein Vater genommen habe, als er im Zweiten Weltkrieg kämpfte.
«Mein Vater kam als veränderter Mann aus dem Krieg zurück und er konnte nie wirklich darüber reden», erzählt der Mann unter Tränen und sagt, diese Reise sei für ihn eine Möglichkeit, um besser mit dem Tod des Vaters zurechtzukommen. Er befinde sich auf einer Art Pilgerreise.
Weiterführender Artikel: Das Freilichtmuseum des Krieges

Wenn der Hafen selber mitgebracht wird
Im D-Day vor 75 Jahren fehlte den Alliierten für ihre Invasion ein Hafen, da alle französischen Häfen von deutschen Truppen besetzt waren. Die Lösung: Die Alliierten brachten einfach eigene Häfen mit.
Credits:
Bilder: Claudia Herzog
Audio/Produktion: Andrea Christen
Montage Video: Thomas Balderer/SRF News Online








